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Pressearchiv der Kirchengemeinde Pflugfelden

Alte Sonnenuhr gibt Rätsel auf

Veröffentlicht am 21.08.2006
in Redaktioneller Eintrag

Veröffentlicht am 21.08.2006

Alte Sonnenuhr gibt Rätsel auf

An der Mauer der Ulrichskirche in Pflugfelden findet Bürger geschichtsträchtigen Stein



Tausend mal vorbeigelaufen, aber erst jetzt registriert: Pfarrer Martin Haas (rechts) und Volker Zube haben an der Ulrichskirche eine in Stein gemeißelte Sonnenuhr ausfindig gemacht. Bild: Alfred Drossel

Beim Dorffest hat man in Pflugfelden einen ganz besonderen Fund gemacht: Man entdeckte im Gemäuer der Ulrichskirche eine alte Sonnenuhr. Nun rätseln die Bürger, wie der Stein dorthin gekommen sein könnte.
Volker Zube hatte allerlei für das Dorffest im Stadtteil vor wenigen Wochen organisiert und war auch beim traditionellen Dorffestlauf mit von der Partie. Als er später an der Mauer der Ulrichskirche stand, fiel sein Blick auf einen Stein, der wundersam gezeichnet war. Was könnte das sein? 'Es muss die alte Sonnenuhr sein', meint Pfarrer Martin Haas.
Die Frage war nun: Wer hat die Zeichen in den Stein gemeißelt?
So viel scheint sicher: 1777, so steht es in den Ludwigsburger Geschichtsblättern von 1926, schaffte sich Pflugfelden eine neue Sonnenuhr an und brachte sie an der Südseite der alten Kirche an.Doch wie kam der Stein der Sonnenuhr nun in die Mauer der neuen Ulrichskirche?
Fast jeder der Stadtteilbewohner ist mittlerweile schon einige hundert Mal an der Mauer entlanggegangen, ohne die Sonnenuhr zu bemerken.
Die Entdecker des kleinen Schatzes halten es für wahrscheinlich, dass der Stein - samt Sonnenuhr - aus der alten Kirche stammt, die 1902/1903 abgerissen wurde, weil sie schlicht zu klein für Pflugfelden geworden war. Da aber der Aufbau der neuen und der Abriss der alten Kirche parallel stattfand, könnte die Sonnenuhr auf wundersame Weise erhalten geblieben sein.
Stuttgarter Architekten hatten damals die neue Ulrichskirche in nur zehn Monaten erbaut.Den alten Turmstumpf ließen die Kirchenbauer stehen. Deshalb sind die Mauern des neuen Turms heute auch so dick.
Das Kirchenschiff dagegen wurde östlich des Turms komplett neu gebaut. Der Abriss des alten Kirchenschiffs westlich des Turms erfolgte aber erst, als der Neubau schon fertig war.
Am 24. Mai 1903 war es dann so weit: Die neue Kirche wurde feierlich eingeweiht. Eine Woche später kam sogar seine Majestät König Wilhelm II. von Württemberg, um sie zu besichtigen.Das Bemühen in Pflugfelden, Altes zu bewahren, hat sich bei dem Stein mit der Sonnenuhr genauso gelohnt wie beim Dorfbrunnen des Stadtteils. Denn auch die Sandsteine des Alten Brunnens wurden wieder verwendet. Der Brunnen gehörte zum Anwesen des Stockheimer Hofs, eines der ältesten Gebäude Pflugfeldens in der Dorfstraße. Er musste, wie viele andere Zieh- und Pumpbrunnen Pflugfeldens, bei der Umgestaltung des Ortskerns weichen. Der Landwirt Adolf Pflugfelder holte sich damals die Genehmigung, die Steine abtransportieren und auf seinem Hof einlagern zu können. Dank seines Engagements konnte der Brunnen 1999 mit den alten Sandsteinen wieder aufgebaut werden.
Heike Rommel







Die Online-Publikation dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung

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